Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften

Neue Open-Access-Publikation aus einem studentischen Forschungsprojekt: Wenn Landwirtschaft spielbar wird

15.10.2026|09:52 Uhr

Mit dem Beitrag „When Farming Becomes Playable: A Qualitative Case Study of Triadic Gameplay Talk and Prompted Reflection on Hay Day in Fifth-Grade Geography“ ist eine neue Open-Access-Publikation von Michael Morawski und Dina Pommerening in der internationalen Fachzeitschrift Education Sciences erschienen.
Die Studie untersucht, wie Schüler*innen einer fünften Klasse während des Spielens des kommerziellen Mobile Games Hay Day über Landwirtschaft sprechen und welche Vergleiche zwischen der Spielwelt und realer Landwirtschaft in einer anschließend angeleiteten Reflexionsphase entstehen.

Während des Gameplays standen zunächst vor allem die praktischen Anforderungen des Spiels im Vordergrund: Tiere füttern, Produkte herstellen, Ressourcen organisieren, verkaufen, Wartezeiten berücksichtigen und den weiteren Spielfortschritt planen. Die Schüler*innen erkannten dabei funktionale Zusammenhänge innerhalb des Spiels, beispielsweise zwischen Futtermittelproduktion, Tierprodukten, Verkauf und weiterer Expansion.
In der anschließenden Reflexion rückten stärker diejenigen Aspekte in den Mittelpunkt, die Hay Day vereinfacht oder vollständig ausblendet. Dazu gehören unter anderem Tierwohl und Krankheit, Schlachtung, Arbeitsbedingungen, Flächenbedarf, ökologische Folgen und die Rolle unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure.
Die Studie interpretiert diesen Unterschied bewusst nicht als automatischen Lerneffekt des Spielens. Vielmehr zeigt sie, wie wichtig die didaktische Rahmung und das Debriefing für die kritische Auseinandersetzung mit kommerziellen Games sind.

Mit dem Konzept des „playable agricultural model“ schlagen die Autor*innen vor, digitale Spiele als selektive und spielbare Modelle gesellschaftlicher Wirklichkeit zu betrachten. Für die geographische Bildung ist damit nicht nur relevant, was ein Spiel zeigt, sondern ebenso, welche Beziehungen durch seine Regeln handelbar werden und welche Akteure, räumlichen Zusammenhänge oder Konsequenzen unsichtbar bleiben.
Besonders hervorzuheben ist die Entstehungsgeschichte der Publikation: Ihre empirische Grundlage bildete ein studentisches Forschungsprojekt aus dem Jahr 2025. Die dort entstandenen Materialien wurden für die Publikation wissenschaftlich weiter ausgewertet und theoretisch weiterentwickelt.

Ein besonderer Dank gilt daher Dina Pommerening. Ihr engagiertes und sorgfältig durchgeführtes Forschungsprojekt bildete die Grundlage für die nun veröffentlichte Studie. Das Institut bedankt sich herzlich für die geleistete Arbeit und wünscht ihr für ihren weiteren persönlichen und beruflichen Weg alles Gute.